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Scope 3 effizient erfassen: Praxis-Insights & Softwarelösung

Von der Rohstoffliste bis zur realen CO₂-Bilanz: Im Interview erklärt Dr. Christian Reisinger, warum Scope 3 mehr als nur ein Reporting-Thema ist – und wie Unternehmen mit Struktur, Priorisierung und der ESG-Software Substain ihre Lieferketten klimafit machen. Mit konkreten Tipps zu Datenqualität, Supplier Engagement und effizienter Umsetzung.

Scope 3-Emissionen: Warum sind sie so zentral – und gleichzeitig so schwer zu greifen?

Dr. Christian Reisinger:

Scope 3-Emissionen stehen für alle CO₂-Emissionen, die vor- oder nachgelagert entlang der Wertschöpfungskette entstehen – also außerhalb des direkten Einflussbereichs eines Unternehmens. Dazu zählen beispielsweise Emissionen durch eingekaufte Rohstoffe, Geschäftsreisen, Logistik oder sogar die Nutzung und Entsorgung eigener Produkte. Scope 1 hingegen beschreibt Emissionen aus unternehmenseigenen Quellen, z. B. durch Heizungsanlagen oder Fuhrparks. Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus zugekaufter Energie – etwa Strom oder Fernwärme.

Während Unternehmen Scope 1 und 2 – also direkte Emissionen und zugekaufte Energie – meist relativ gut dokumentieren können, sind Scope 3-Daten oft intransparent. Sie erfordern eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Lieferkette und der genauen Struktur des Einkaufs. In der Praxis ist Scope 3, insbesondere bei produzierenden Unternehmen, oft der mit Abstand größte Emissionsanteil eines Unternehmens – teilweise über 80 %. Gleichzeitig ist er am schwersten zu erfassen, weil viele Daten außerhalb der eigenen Systemgrenzen liegen. Genau deshalb rückt Scope 3 zunehmend in den Fokus: ohne ihn bleibt jede Klimabilanz unvollständig – und jede Reduktionsstrategie halbherzig.

„Die größte Hürde ist oft nicht die Berechnung selbst, sondern die Frage: Was muss ich überhaupt alles erfassen? Und woher bekomme ich dafür belastbare Daten?“

Viele Unternehmen sind überrascht, wenn sie feststellen, dass z. B. der Stromverbrauch ihrer Produkte in der Nutzungsphase bei den eigenen Emissionen bilanziert werden muss. Andere Herausforderungen liegen in den Daten selbst: Einkaufslisten sind oft unstrukturiert, verwenden uneinheitliche Einheiten (z. B. Stück, kg, Paletten) und beinhalten Freitextbeschreibungen, die für die CO₂-Bilanzierung kaum nutzbar sind.

 

Wie gelingt der Einstieg? Worauf sollten Unternehmen bei der Strukturierung der Scope 3-Erfassung achten?

 

Dr. Reisinger:

Die Kunst liegt darin, strukturiert und pragmatisch vorzugehen. Denn Scope 3 ist keine Einmalübung, sondern ein kontinuierlicher Lern- und Verbesserungsprozess. Für den Einstieg hat sich folgende Vorgehensweise bewährt:

  1. Betroffenheitsanalyse: Welche der 15 Scope 3-Kategorien sind überhaupt relevant?
  2. Datenquellen prüfen: Welche Mengen- oder Finanzdaten liegen bereits vor? Welche davon sind brauchbar?
  3. Lieferanten identifizieren: Wer sind meine Hauptemittenten? Welche 20 % der Lieferanten stehen für 80 % der Emissionen?
  4. Datenqualitäten unterscheiden: Die vier Stufen laut GHG-Protokoll helfen, vorhandene Daten realistisch einzuordnen und gezielt zu verbessern.

Datenqualitätsstufen nach GHG-Protokoll:

  • Stufe 1: Primärdaten vom Lieferanten
  • Stufe 2: Sekundärdaten aus wissenschaftlichen Datenbanken
  • Stufe 3 & 4: Spend-based Daten auf Euro-Basis oder Schätzungen/Hochrechnungen

In der Realität liegen bei den meisten Unternehmen weniger als 5 % der Scope 3-Daten auf Stufe 1 vor. Die restlichen 95 % müssen sorgfältig abgeleitet werden – etwa über Gewichtsdaten und standardisierte Emissionsfaktoren, wie sie in Substain bereits hinterlegt sind. Spend-based Methoden sind möglich, aber ungenauer und methodisch angreifbar.

 

Welche Scope 3-Kategorien lohnen sich besonders für den Einstieg – und worauf ist dabei zu achten?

 

Dr. Reisinger:

Nicht alle Kategorien sind gleich relevant – auch weil nicht alle gleich gut beeinflussbar sind. Aus Beratungserfahrung und Softwareprojekten wissen wir: Der größte Hebel liegt fast immer in den eingekauften Gütern und Dienstleistungen (Kategorie 3.1). Gemeinsam mit Kapitalgütern und vorgelagerter Logistik bildet dieser Bereich oft den Schwerpunkt in der CO₂-Bilanz.

Typische Fehler, die wir in Projekten sehen:

  • Rohstoffe sind nicht nach Materialklassen oder Anwendung klassifiziert
  • Mengen liegen in unterschiedlichen Einheiten vor (kg, m², Paletten, etc.)
  • Lieferanten sind nicht eindeutig zugeordnet oder mehrfach vorhanden
  • Transportleistungen werden übersehen, wenn sie „im Preis inbegriffen“ sind

„Viele Einkaufsabteilungen denken bei Digitalisierung an Bestellprozesse – aber nicht an CO₂-Daten. Dabei liegt hier die größte Chance, methodisch sauber zu starten.“

Wichtig ist außerdem zu erkennen, wo Lieferanten beitragen können – und wo nicht: Geschäftsreisen oder Produktnutzung sind z. B. unternehmensinterne Themen. Aber Rohstoffe, Maschinen und Transporte sind klassische Lieferantenbereiche. Dort sollte man gezielt und professionell ansetzen.

 

Wie hilft Substain bei der konkreten Umsetzung – insbesondere bei Lieferantenbefragungen?

 

Dr. Reisinger:
Scope 3-Bilanzierung scheitert oft am Aufwand. Wer 100 Lieferanten manuell kontaktiert, Daten prüft, Dokumente verwaltet – verliert Monate. Substain löst genau dieses Problem mit dem integrierten Supplier Portal.

So unterstützt Substain bei der Lieferanteneinbindung:

  • Lieferantenanlage und -verwaltung: zentral, strukturiert, auch per Excel-Import oder API
  • Standardisierte Fragebögen: für ESG-Stammdaten, Product Carbon Footprints, EUDR oder CSRD-relevante Themen
  • Automatisierte Kommunikation: Versand inkl. Reminder-Funktion und Deadline-Tracking
  • KI-basierte Vorprüfung: Prüfung auf Vollständigkeit, Systemgrenzen, Plausibilität der Werte
  • Direkte Integration: geprüfte Werte fließen automatisiert in die CO₂-Bilanz ein

Substain unterstützt zudem auch die Kommunikation: Wenn Lieferanten noch keine Primärdaten liefern können, kann das im Tool dokumentiert werden. Unternehmen können diesen Lieferanten dann z. B. ein Schulungsangebot oder vergünstigten Zugang zur Substain-Plattform machen.

„Wir sagen: fordern und fördern. Wer Daten liefert, wird bevorzugt – und wer Hilfe braucht, bekommt Unterstützung.“

 

Und warum lohnt sich das alles – jenseits von Regulierung und Pflichterfüllung?

Dr. Reisinger:

Natürlich sind CSRD, ESRS oder EUDR starke Treiber. Aber es gibt gute Gründe, Scope 3 auch aus eigenem Interesse anzugehen:

  • Effizienz und Entlastung: Wer Primärdaten vom Lieferanten bekommt, muss selbst weniger Emissionsfaktoren recherchieren und begründen – das spart Zeit und reduziert Prüfaufwand.
  • Bessere Klimastrategien: Reale Daten ermöglichen realistische Reduktionspfade – nicht nur Schätzungen.
  • Kundenbindung und Ausschreibungen: Wer glaubhafte CO₂-Daten liefern kann, hat einen Wettbewerbsvorteil.
  • Synergieeffekte: Lieferantendaten zu ESG, CO₂, EUDR, Menschenrechten, Zertifikaten etckönnen gebündelt und ganzheitlich gepflegt werden.
  • Kontinuierliche Verbesserung: Unternehmen können ihren Primärdatenanteil jährlich tracken und steigern – und sich messbar verbessern.

„Scope 3-Daten sind kein bürokratischer Aufwand – sie sind die Grundlage für bessere Entscheidungen. Wer sie versteht und nutzt, wird resilienter, transparenter und attraktiver – für Kunden, Partner und Investoren.“

Fazit

Scope 3 ist herausfordernd – aber lösbar. Mit dem richtigen Mindset, klaren Prozessen und einer geeigneten Software wie Substain lässt sich aus regulatorischem Druck echter Handlungsspielraum schaffen. Für mehr Transparenz, bessere Reduktionsstrategien – und für eine klimafitte Lieferkette.

Über Substain

Substain ist die ideale Softwarelösung für Unternehmen, die ESG-Management effizient und umfassend gestalten möchten. Nach dem „Single-Source-of-Truth“-Prinzip ermöglicht Substain eine zentrale Erfassung, Auswertung und Berichterstattung aller ESG-Daten – einfach, transparent und konform mit gesetzlichen Vorgaben. Mit Substain profitieren Sie von maximaler Flexibilität, individueller Anpassbarkeit und einem intuitiven Dashboard, das datenbasierte Entscheidungen erleichtert. Entwickelt speziell für die Anforderungen des Mittelstands, hilft Substain Unternehmen, regulatorische Anforderungen souverän zu erfüllen, nachhaltige Strategien effektiv umzusetzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

 

Substain in der Praxis erleben:

Unsere Module im Überblick

Corporate Carbon Footprint

Ermitteln Sie Ihren unternehmensweiten CO₂-Fußabdruck gemäß Scope 1, 2 und 3 und erhalten Sie präzise Einblicke in Ihre Umweltauswirkungen.

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Product Carbon Footprint

Berechnen Sie die Emissionen entlang des gesamten Lebenszyklus Ihrer Produkte, von der Rohstoffbeschaffung bis zur Entsorgung. Gehen Sie den nächsten Schritt in Richtung nachhaltige Produktgestaltung.

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Doppelte Wesentlichkeit

Verstehen Sie, welche ESG-Risiken und -Chancen sowohl finanziell als auch hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen für Ihr Unternehmen wesentlich sind.

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European Sustainability Reporting Standards

Erfüllen Sie die ESG-Berichtspflichten gemäß den ESRS und stellen Sie eine umfassende und transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung sicher.

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EUDR

Erhalten Sie mithilfe von Substain eine Transparente CO₂-Bewertung für internationale Lieferketten nach dem Carbon Border Adjustment Mechanism.

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EU-Taxonomie

Stellen Sie Nachhaltigkeitskonformität analog ESG-Berichtspflicht sicher und sorgen Sie für eine transparente Berichterstattung mit Substain.

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VSME

Erfüllen Sie die ESG-Berichtspflichten gemäß den ESRS und stellen Sie eine umfassende und transparente Nachhaltigkeitsberichterstattung sicher.

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Individuelles KPI-Dashboard

Gerne erstellen wir individuelle Dashboards ganz nach Ihren Anforderungen.

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